Margaret Mitchell: Vom Winde verweht

Vom Winde verweht

Ich bin grad dabei einige Lese-Bildungslücken zu stopfen. Ganz weit vorne auf der Liste war dabei, dass ich endlich Vom Winde verweht lese! Das lag schon soooo lange auf meinem SuB, dass ich gar nicht mehr sagen kann, wann und wo ich es gekauft habe. Und zu meiner großen Schande kannte ich tatsächlich weder das Buch noch den Film bisher. Aber das wurde jetzt endlich geändert! Und ich muss sagen, selten bin ich einer Protagonistin begegnet, die ich so gerne schütteln und zur Vernunft bringen wollte wie Scarlett O’Hara!

Scarlett O’Hara & Rhett Butler

Die Liebesgeschichte zwischen der sturen Scarlett O’Hara und dem dickköpfigen Rhett Butler ist ein absoluter Klassiker, den wohl jeder mal gelesen haben sollte. Mit unheimlich viel Liebe zum Detail und zu ihren Figuren schildert Margaret Mitchell die Geschichte ihrer oft fehlgeleiteten Protagonisten im Amerika der 1860er Jahre. Und neben der Liebesgeschichte spielen auch viele historische Fakten eine große Rolle: Skalvenhandel, der Amerikanische Bürgerkrieg zwischen den Konföderierten und den Yankees, der Wiederaufbau und der Ku-Klux-Klan sind nur einige historische Ereignisse und Probleme, die in die Handlung eingebaut wurden.

Zu Beginn der Geschichte sind die Zeiten allerdings noch rosig. Scarlett wächst als Tochter von gut situierten Plantagen-Besitzern auf und alle Männer machen ihr den Hof. Was könnte sie mehr wollen? Doch Scarlett hat sich ausgerechnet Ashley Wilkes ausgeguckt und will ihn um jeden Preis heiraten. Als sie dann erfährt, dass Ashley seine Cousine Melanie heiraten soll, ist Scarlett außer sich. Denn bisher konnte sie alle Männer um ihren Finger wickeln und bekam immer, was sie wollte. Und so lässt der Gedanke an Ashley sie nicht mehr los.

Aus trotz heiratet Scarlett Melanies Bruder Charles. Aber schon kurz nach der Hochzeit bricht der Krieg aus, Charles stirbt und Scarlett bleibt mit ihrem Kind alleine zurück. Sie lebt inzwischen in Atlanta, gemeinsam mit Melanie, die um Ashleys Leben im Krieg fürchtet, und Charles Tante Pittipat. Und Scarlett muss immer mehr von ihren Annehmlichkeiten aus der Jugend Abstand nehmen, lernen für sich und ihre Familie einzustehen und sich durch das Leben zu kämpfen.

Immer in ihrer Nähe: Rhett Butler. Der sich in Scarlett verguckt hat, aber ihr seine Liebe nicht gesteht. Denn er kennt Scarletts Charakter nur zu gut: Wer vor ihr Schwäche und Gefühle zeigt, der wird von ihr ausgenutzt. Trotzdem versucht er es auf seine Art, sie für sich zu gewinnen. Doch die beiden Sturköpfe geraten immer wieder aneinander und verstehen sich permanent falsch.

 Es folgt, was folgen muss: eine verzwickte Dreiecks-Geschichte zwischen, Scarlet, Rhett und Ashley, die sich über zahlreiche Jahre zieht – und alle drei Protagonisten nicht richtig glücklich werden lässt. Allen voran steht Scarlett sich eigentlich immer selber im Weg mit ihrem Temperament, ihrem Dickkopf und ihrem Drang immer besser dazustehen als die anderen. So oft wollte ich zwischen die Buchseiten krabbeln und diese Frau kräftig schütteln, damit sie zur Vernunft kommt! Aber immer, wenn diese negative Seite zu stark wurde, tat Scarlett doch wieder etwas selbstloses, liebenswertes – so dass ich sie dann doch nicht mehr „hassen“ konnte.

Und trotz dieser Seitenlangen Antipathie mochte ich die Geschichte unheimlich gerne. Unfassbar, wie viel Details Margaret Mitchell in ihr Epos einbaut und eine Welt aufbaut, in der man sich beim Lesen total verlieren kann und man förmlich die südamerikanische Sommerhitze auf der Haut spürt. Ich freue mich unheimlich, dass ich das Buch nun endlich gelesen haben! Und hätte es viel früher tun sollen! Lasst euch also bitte bloß nicht von den vielen Seiten abschrecken. Denn trotz des Umfangs und den vielen historischen Fakten liest sich die Geschichte ganz leicht und flüssig. Was für eine tolle Lektüre!

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