Lesetipp des Monats: Wer die Nachtigall stört

Nach dem großen Hype um das neue Buch „Gehe hin, stelle einen Wächter“ von Harper Lee war es für uns nahe liegend, als unseren aktuellen Lesetipp des Monats den Bestsellerhit „Wer die Nachtigall stört“ (Englisch: To Kill a Mockingbird) von Lee vorzustellen:

Eckdaten zum Autor:

Nelle Harper Lee 1926 in Monroeville, Alabama geboren. Bereits als Kind fing sie an zu Schreiben, folgte aber zunächst dem Vorbild ihres Vaters sowie ihrer älteren Schwester und studierte Jura. Während der Unizeit war sie aber bereits Chefredakteurin der Unizeitschrift. Und nach einer 6-wöchigen Studienreise nach Europa wandte sie sich von den Rechtswissenschaften ab und der Literatur zu. Sie ging von der Uni ab und nach New York, arbeitete dort zunächst in einem Buchladen und bei einer Fluggesellschaft am Schalter. Bis schließlich das Michael und Joy Brown sich entschlossen, Lees literarisches Talent finanziell zu fördern.1957 reichte Lee ihre ersten Kurzgeschichten ein, die sich bereits um die Hauptfigur Atticus drehen. Mit Hilfe der Lektorin Tay Holthoff arbeitete Lee an ihrem Manuskript und fügte die Geschichten zu einer zusammenhängen Story zusammen. So erschien 1960 Lees erster Roman To Kill a Mockingbird für den sie kurz darauf den Pulitzer-Preis verliehen bekam. To Kill a Mockingbird verkaufte sich über 40 Millionen Mal.

Einige Jahre assistierte Harper Lee Truman Capote beim Schreiben, der ein Kindheitsfreund und Feriennachbar von ihr war. Capotes Roman „Kaltblütig“ ist ihr daher auch gewidmet. Doch kurz danach entfremdeten sich die beiden. Angeblich, weil Lee ihre Mithilfe an dem Roman nicht genügend gewürdigt sah. Außerdem hatte Capote gelegentlich wohl angedeutet, dass Teile von To Kill a Mockingbird aus seiner Feder stammen würden. Harper Lee lebt bis heute sehr zurückgezogen in Monroeville. Erst im Frühjahr 2015 veröffentlichte sie ihren zweiten Roman „Gehe hin, stelle einen Wächter“, der eigentlich vor ihren Bestseller entstand.

Wichtigste / Bekannteste Werke:
  • To Kill a Mockingbird / Wer die Nachtigall stört, 1960
  • Go Set a Watchman / Gehe hin, stelle einen Wächter, 2015
Inhalt:

Alabama in den 1930iger Jahren: In einer Kleinstadt wachsen die Ich-Erzählerin Jean Louise, genannt Scout, und ihr Bruder Jem wohlbehütet bei ihrem verwitweten Vater Atticus auf. Atticus ist für sie Vorbild und Vater aber auch Vertrauter und Freund und hat eine ganz besondere Beziehung zu seinen Kindern, denen er viel Freiheit lässt. So ist Scout der kleine Wildfang der Stadt und benimmt sich mehr wie ein Junge als wie ein Mädchen. Doch die kindlich-ländliche Idylle wird schwer erschüttert, als Atticus, Top-Rechtanwalt der Stadt, mit einem schweren Fall beauftragt wird. Er soll Pflichtverteidiger eines schwarzen Farmarbeiters werden, der angeblich die Tochter des weißen Farmers vergewaltigt haben soll.

Atticus wird zum Pflichtverteidiger des Schwarzen, findet heraus, dass dieser unschuldig ist. Trotzdem wird dieser von der weißen Jury verurteilt. Und Atticus und seine beiden Kinder sind auf einmal dem Hass der ganzen Stadt ausgesetzt, die ihr für seine Verteidigung des Schwarzen verurteilen. So muss Atticus versuchen seine Kinder vor den Anschuldigungen und der Intoleranz der Mitbürger zu beschützen und ihnen erklären, wieso die Leute so voller Vorurteile sind.

Unsere Meinung:

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie wir To Kill a Mockingbird damals im Englischunterricht gelesen haben in der zwölften Klasse. Das war definitiv eines meiner liebsten Bücher in der Schule. Wir sehen das aufgebrachte Heimatstädtchen durch die naiv-kindlichen Augen von Scout, die wie ein unbeschriebenes Blatt keine Ahnung hat von Klassen, Rassen, Hautfarben und dass diese in irgendeiner Weise einen Unterschied ausmachen könnten. So ist sie ein völlig unvoreingenommener Erzähler, der voller Staunen und Unglauben die Entwicklungen mit uns Lesern gemeinsam erfährt. Und trotzdem hält sie mit ihrer kindlichen Art die wichtigsten Fakten fest. Zum Beispiel: „I think there’s just one kind of folks. Folks.“ Gleichzeitig erleben wir durch sie den Vater Atticus als Fels in der Brandung und Schutzschild vor der engstirnigen, rassistischen Umwelt, damit seine Kinder in Ruhe groß werden können. Dabei versucht er ihnen die Welt um sie herum einfühlsam zu erklären: “You never really understand a person until you consider things from his point of view… Until you climb inside of his skin and walk around in it.”

To Kill a Mockingbird ist ein wundervolles Buch, das wirklich jeder einmal gelesen haben sollte. Es geht um Freundschaft und Menschlichkeit, Nächstenliebe, Gleichheit. Und es zeigt leider auch, dass im Recht sein nicht immer mit Gerechtigkeit endet. Gerade wenn wir uns die ganzen Diskussionen um Asylbewerber, Pegida und Co angucken, sehen wir, dass all die Themen des Buches immer noch top aktuell sind und To Kill a Mockingbird einfach ein zeitloser Klassiker ist.Wäre es nicht schön, wenn alle sich ein Beispiel an Scout und Jem nehmen und die Welt wieder ein bisschen mehr durch vorurteilsfreie Kinderaugen sehen?

P.S.: Es gibt übrigens auch eine tolle schwarz-weiß Verfilmung aus dem Jahr 1962 mit Gregory Peck in der Rolle des Atticus.
Facebooktwittergoogle_plusrss

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*