Lesetipp des Monats: Die dunkle Seite der Liebe

Am 23. Juni ist Rafik Schami 70 Jahre alt geworden. Anlass genug, ihm unseren Lesetipp für den Monat Juli zu widmen.

Eckdaten zum Autor:

Rafik Schami wurde 1946 in Damaskus, Syrien, geboren. 1971 wanderte er nach Deutschland aus und lebt heute in Marnheim in der Pfalz. Obwohl er immer schon Artikel für Zeitungen schrieb, studierte er zunächst noch Chemie und legte 1979 seine Promotion ab.  1982 wurde er dann komplett freier Striftsteller. Seine Werke, die er anfangs auf arabisch, ziemlich schnell dann aber auf deutsch schrieb, wurden in 29 Sprachen übersetzt. Rafik Schami ist in vielen Genres zu Hause. Er schreibt Sachbücher, Erzählungen, Kurzgeschichten, Kinder- und Jugendbücher sowie Romane für Erwachsene.

Über sein Leben und seine Herkunft berichtet auch dieses nette, neue Video vom SWR anlässlich seines runden Geburtstages:

Auf Wikipedia erfahrt ihr übrigens auch noch, dass Rafik Schami ein Pseudonym ist und  Damaszener Freund bedeutet. Sein bürgerlicher Name lautet Suheil Fadél.

Wichtigste & bekannteste Werke:

  • Eine Hand voller Sterne, 1987
  • Die dunkle Seite der Liebe, 2004
  • Das Geheimnis des Kalligraphen, 2008

Inhalt:

rafik schamiRafik Schami hat in den letzen Jahrzehnten viel geschrieben, aber „Die dunkle Seite der Liebe“ ist bis heute sein Meisterwerk, meiner Meinung nach. Und mit gut 1000 Seiten oder mehr auch das umfangreichste. Es ist eine arabische „Romeo und Julia“-Geschichte. Ihr ahnt es also schon: zwei verfeindete Clans und ein Liebespaar, das den Fängen ihrer Familien entkommen und für ihre Liebe kämpfen muss. Farid Muschtak und Rana Schahin sind hier die Protagonisten. Aber das besondere an Rafik Schami ist, das er ein Geschichtenerzähler und wahrer Märchenonkel ist. Und deshalb ranken sich in der Tausend-und-eine-Nacht-Methode zahlreiche weitere Geschichten und Figuren um Rana und Farid herum. Über mehrere Generationen und Familienmitglieder wird die Verfeindung der beiden Clans wiedergegeben. Dabei geht es um unterschiedliche Kulturen, Religionen, Traditionen, Neid, Hass, Verrat und noch so einiges mehr. Daher gibt es nicht nur eine, sondern gleich mehrere Handlungsstränge. Der mosaikartige Aufbau der einzelnen Kapitel fügt sich erst am Ende zu einem vollständigen Bild zusammen. Der Leser braucht hier also etwas Geduld. Dafür gibt der Stammbaum der beiden Familien auf den letzten Seiten des Buches immer wieder eine Orientierungshilfe.

Die Geschicht spielt natürlich in Syrien, Schamis Heimat. Er findet immer die passenden Worte um dieses Land, die Kultur, die Farben und insbesondere das Essen und die Gerüche anschaulich zu beschreiben, im Stile der orientalischen mündlichen Erzählung. Solche Details sind seine Stärke und machen seine Werke zu etwas besonderem.

Bei meiner Hintergrundrecherche bin ich auf diesen höchstinteressanten Artikel der FAZ über das Buch gestoßen. Davon möchte ich einen Satz hervorheben:

In dieser Familiensaga wird mehr (und freizügiger) geliebt, gelacht und gestorben als in den „Buddenbrooks“.

Kleine Anekdote: Um die deutsche Sprache zu lernen, hat Rafik Schami die Buddenbrooks Satz für Satz abgeschrieben!

Unsere Meinung:

Ich habe das Buch vor vielen Jahren im Urlaub verschlungen.  Sogar auf der Autofahrt habe ich weitergelesen, weil es so spannend war. Und ich kann sonst nie im Auto lesen, da wird mir normalerweise schlecht. Aber für dieses Buch habe ich dieses Opfer gebracht. Das war auch bisher das einzige Mal.

Außerdem  mag ich Rafik Schami noch viel mehr, seit ich ihn auf einer Lesung in Aktion erlebt habe. Er spricht und erzählt so wunderschön. Er hat so eine schöne Stimme und erzählt in so einem tollen Tonfall mit so schönen Worten, dass er mich total fasziniert hat. Wie ein Märchenonkel redet er von einer anderen Welt, einem anderen Kulturkreis, der uns fremd ist und wahrscheinlich gerade deshalb so anzieht.

Aufgrund der Hülle und Fülle ist „Die dunkle Seite der Liebe“ mein absoluter Dauerlesetipp an jeden. Wenn ihr es lest, lest ihr nicht nur ein Buch, eine Geschichte, sondern eine ganze Welt!

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4 Antworten

  1. Rafik Schami ist auch einer meiner Lieblingsautoren (s. auch auf meiner Seite), aber dieses Buch kenne ich noch nicht. Schön, dass du hier so begeistert davon schreibst.
    LG, Ingrid

    • Danke, Ingrid. Schön, dass ihr alle so begeistert seid. Manchmal lohnt es sich halt doch, auch mal wieder ältere Schätze auszugraben 🙂
      Liebe Grüße
      Laura

  2. Oh toll, ich danke euch für diesen Tipp. Ich habe Rafik Schami erst vor kurzem für mich entdeckt und sitze gerade an der Rezension zu seinem Roman „Sophia“, den ich auch wärmstens weiterempfehlen kann. 😊 Nach eurer Rezension muss ich gleich morgen den Buchladen stürmen und mir „Die dunkle Seite der Liebe“ kaufen. Ich liebe für orientalische Erzählweise des Autors ❤️…

    Liebe Grüße
    Nadine

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