Lesetipp des Monats: Bonjour Tristesse

Sagan Bonjour Tristesse Buchlingreport

Da ich in letzter Zeit sehr viele Romane und Geschichten aus dem englischsprachigen Raum lesen, war ich auf der Suche nach etwas neuen und anderen. Dabei bin ich auf die hübsche Neuauflage von Bonjour Tristesse von der französischen Bestseller-Autorin Françoise Sagan aus dem Ullstein Verlag gestoßen, die ich euch gerne ans Herz legen würde. Ein absoluter Klassiker, der sich aber ganz leicht lesen lässt.

Eckdaten zum Autor:

1954 schrieb Françoise Sagan mit 18 Jahren ihre erste Geschichte Bonjour tristesse. Das in nur sieben Wochen geschriebene Buch wurde zum Bestseller und innerhalb von fünf  Jahren waren bereits weltweit vier Millionen Exemplare in 22 Sprachen verkauft – und das obwohl die doch sehr freizügigen Schilderungen einen großen Skandal hervorriefen. Damit begann die Karriere der französischen Autorin, deren Werk über 40 Romane und Theaterstücke umfasst. Sagan lebte ein wildes Leben: 1957 erlitt sie einen Autounfall, danach begann ihre lebenslange Drogensucht. Ihre beiden Ehen wurden geschieden, sie wurde mehrfach wegen Drogendelikten und Steuerhinterziehung verurteilt.

Wichtigste & bekannteste Werke:

  • Bonjour Tristesse, 1954
  • Lieben Sie Brahms?, 1959
  • La Chamade – Herzklopfen, 1956
  • Brennender Sommer, 1985
  • Ein Schloss in Schweden, 1960

Inhalt:

Françoise Sagan erzählt in diesem Buch die Geschichte von der 17jährigen Cécile, die ihre Mutter als kleines Kind verloren hat und bei ihrem Vater Raymond aufgewachsen ist. Raymond ist ein reicher Lebemann, hat wechselnde – deutlich jüngere – Frauen-bekanntschaften und genießt das Leben, wahlweise an der Côte d’Azur oder in Paris. Cécile, die in einem Internat unterrichtet wird, fällt durch ihre Abiturprüfung und müsste eigentlich für die Nachholklausur lernen. Aber stattdessen macht sie es wie ihr Vater und lebt in den Tag hinein.

Die beiden verbringen den Sommer wieder am Meer in einem Strandhaus. Raymond ist mit seiner aktuellen Geliebten Elsa beschäftigt und Cécile hat sich am Strand den Studenten Cyril angelacht, fährt mit ihm Boot, faulenzt und genießt das unkomplizierte, luxuriöse Leben. Bis eines Tages Anne zu Besuch kommt, eine alte Freundin der Familie, und das Leben dort ganz schön durcheinander bringt. Denn die aufgeräumte Anne versucht aus den beiden Tagträumern erwachsene zu machen. Als ihr Vater dann auch noch verkündet Anne heiraten zu wollen, fängt Cécile an, Pläne dagegen zu schmieden.

Unsere Meinung:

Zugegeben: Sonst ist Coming-of-Age nicht so wirklich mein Genre. Aber Françoise Sagans Geschichte hat mich wirklich begeistert. Ihr Schreibstil ist so schön zu lesen, so “französisch” und zugleich detailliert, sodass ich die schwülen Sommertage am Strand nachfühlen kann, aber schlicht genug, um nicht in unendlichen Beschreibungen zu versinken.

Tatsächlich ist das dünne Büchlein kaum 200 Seiten dick, sodass man es an einem gemütlichen Abend einfach verschlingen kann. Gemeinsam mit Cécile strudelt der Leser zwischen ihren Emotionen, will einfach nur das leichte Leben genießen, am Strand in den Armen ihres Liebhabers. Aber gleichzeitig ist man aufgewühlt: Was bedeutet die Ankunft von Anne für das Gefüge der “Familie”? Welche Rolle nimmt sie ein? Und welche Rolle wird dadurch Cécile zugewiesen? Denn zuvor war sie quasi die Frau im Haus, die die Beachtung des Vaters bekam. Die wechselnden Liebschaften kann man ja nicht wirklich zählen. Die konnte Cécile ohne Probleme ignorieren oder um den Finger wickeln. Mit Anne hat sie nun aber eine passende Sparingspartnerin gefunden, die sich nicht so leicht vergraulen lässt und zwischen den beiden entwickelt sich eine Art von Hassliebe.

Dadurch das sowohl Anne aber auch Cécile auf ihre Weise unnahbar bleiben und ihre Handlungen nicht immer ganz nachvollziehbar sind – vor allem Céciles – bleibt die Geschichte bis zum Schluss spannend. Auch wenn der Einstieg in das Buch schon verrät, dass dies der Beginn ihrer Traurigkeiten werden wird – und dieses beklemmende Gefühl spürt man auch bereits beim Lesen. Man wartet nur darauf, dass sich die wabernde Anspannung wie Wolken zusammenzieht und ein Sommergewitter über den Charakteren hereinbericht.

Spannend zu Lesen war auch das Nachwort, in dem man mehr über die Autorin erfährt. Gerade für mich, die noch nichts von Françoise Sagan gelesen hat, war das perfekt, um mehr über die Hintergründe des Buchs zu erfahren. Aber ich muss hier Tobi von Lesestunden recht geben, der das Buch auch rezensiert hat: es ist dann doch alles etwas zu sehr auf das Thema Feminismus gemünzt. Die ganze Geschichte nur als eine Art Befreiungsschlag gegen das Patriarchat zu lesen, ging mir dann doch auch zu weit. Denn in der Geschichte kann man viel mehr finden als das.

Alles in allem ist Françoise Sagans Roman ein wunderschön geschriebener Klassiker, den man an einem lauen Sommerabend perfekt lesen kann.

 

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