Ken Follett: Winter der Welt

Winter der Welt Ken Follett

Nachdem ich im letzten Sommer den ersten Band von Folletts Jahrhundert-Saga, Sturz der Titanen, gelesen habe, war schnell klar, dass die nächsten Teile nicht lange warten durften. Nun habe ich endlich mit Winter der Welt den zweiten Band nachgelegt – und bin nach wie vor begeistert von Folletts historischen Romanen und seinem Erzählstil, der einen über 1.000 Seiten locker gebannt die Handlung verfolgen lässt. Follett schafft es einfach immer wieder, die Verstrickungen der Weltgeschichte und ihre politischen Hintergründe ganz einfach mit den fiktiven Geschichten seiner Charaktere zu verbinden ohne das Langeweile aufkommt. Und dabei spannt er auch hier wieder seine Handlungen einmal über den gesamten Globus. 

Trügerischer Frieden

Die Handlung des Romanssetzt das ein, wo der Vorgänger aufhörte: Nach dem ersten Weltkrieg. Europa erholt sich von den Folgen. Doch der Frieden und die Ruhe scheinen trügerisch. Denn schon schwelen wieder neue Konflikte auf. In Deutschland versuchen die Nazis nach und nach an die Macht zu kommen und das Volk auf ihre Seite zu bekommen. Russland und die USA forschen an der Atombombe und versuchen sich gegenseitig auszuspionieren.

Ich bin sicher nicht die einzige, die diesen Zeitraum der Geschichte immer und immer wieder in der Schule hören „musste“. Sei es in den Geschichtsstunden selbst, im Deutschunterricht mit der Exilliteratur, ja in der Uni habe ich sogar eine Arbeit über die Rolle der Musik im Nationalsozialismus schreiben müssen. Die Thematik wurde also immer wieder von den verschiedensten Seiten beleuchtet und unter die Lupe genommen. Und ich weiß von vielen Freunden, dass es ihnen ähnlich ging und man das Ganze – obwohl man natürlich wusste, wie schlimm es war und dass man sich damit definitiv auseinandersetzen muss, damit so etwas nie wieder passiert – irgendwie überdrüssig ist. Von diesen Freunden höre ich dann auch, dass sie deshalb keine Geschichten über diesen Zeitraum der Weltgeschichte lesen wollen. Aber Ken Follett schafft es mit seinen Figuren und seinem erzählerischem Talent die tatsächlichen Geschichtsfakten wunderbar mit seiner fiktiven Welt zu verknüpfen, sodass – trotz des schwierigen und Weltumspannenden historischen Stoffs – eine toller Roman entstanden ist, den man bequem lesen kann und nach dessen 1000 Seiten man sogar gleich noch mehr will.

Viele alte Bekannte

Wie schon gesagt, treffen wir in Winter der Welt viele alte Bekannte wieder, die bereits im ersten Teil der Saga vorkamen. Aber die Helden sind erwachsen geworden und überlassen größtenteils ihren Kindern die Bühne vor der historischen Kulissen. Wir treffen Ethel und ihren Sohn Lloyd wieder, der sich aus der Arbeiterschicht seiner Vorfahren herausarbeitet und, wie seine Mutter, politisch sehr aktiv ist. Er kämpft in seiner Heimat gegen die britischen Faschisten. Einer der Anführer ist ausgerechnet Boy Fitzherbert – wie der Leser aus Band 1 weiß Lloyds Stiefbruder.

Boy heiratet im Laufe der Handlung Daisy Peshkov, Tochter von Lev Peshkow, der im ersten Band aus Russland in die USA ausgewandert ist. Daisy ist ein oberflächliches, zickiges Mädchen, das am liebsten eine Prinzessin wäre. Doch im Laufe des Romans und mit den drastischen Entwicklungen um sie herum, muss Daisy lernen, dass das Leben mehr ist als Eitel Sonnenschein und dass Geld tatsächlich nicht alles ist.

Wohl am härtesten trifft das Schicksal die von Ulrichs in Deutschland. Maud und Walter müssen ziehen ihre Kinder in einem vom 1. Weltkrieg gezeichneten Deutschland auf und bekommen den Aufstieg der Nazis hautnah mit. Während Tochter Carla die Nazis verachtet und verzweifelt versucht einen Platz als Medizinstudentin zu bekommen, lässt sich ihr Bruder Erik von den Nazis für deren Sache begeistern, ist aktiv in der Hitlerjugend und geblendet von der Propaganda. Da der Rest der Familie aber versucht die Nazis aufzuhalten, müssen sie viele Schicksalsschläge erleiden…

Und schließlich sind da noch Chuck und Woody Dewar und Wolodja Peshkov, durch deren Augen wir die Situation in den USA bzw. in Russland miterleben zwischen politischen Diskussionen, dem Bau der Atombombe und dem Strippen ziehen der Geheimdienste.

Oft wird der Zweite Weltkrieg ja überwiegend auf die Entwicklungen in Deutschland reduziert, da sie – logischerweise – Ausschlag gebend waren. Aber ich fand es unheimlich spannend, wie Follett in Winter der Welt auch alle anderen Seiten mit einbezieht. Vor allem die faschistischen Bewegungen in England fand ich sehr spannend, weil man davon irgendwie noch nicht so viel gehört hat, wenn man sich nicht gezielt damit auseinander setzt.

Klar sind einige Entwicklungen in der Geschichte (die ich jetzt nicht nennen will, um nicht zu spoilern) vorhersehbar. Schließlich braucht ein historischer Roman seinen Hauch von Romantik und Kitsch. Das macht ihn ja auch interessant und begeistert einen weiterzulesen. Sonst könnte man ja auch ein Geschichtsbuch zur Hand nehmen. Aber das ist es ja auch, was einen diese Romane so verschlingen lässt. Und neben den ganzen heftigen historischen Fakten, braucht man ja auch etwas fürs Herz 😉 Mir hat es auf jeden Fall unheimlich viel Spaß gemacht in diese Story abzutauchen und ich werde bestimmt bald den abschließenden Band nachlegen.

 

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