Deon Meyer: Icarus

Nach einem schier endlosen Umzugsmarathon habe ich über die Feiertage endlich wieder etwas Luft zum Lesen gehabt. Und da ich bei diesem unweihnachtlichen Wetter Fernweh bekam, habe ich mir mein neues Deon Meyer Buch zu Hand genommen und mich wieder mit meinem Lieblingsermittler Bennie Griessel auf Spurensuche in Südafrika gemacht. Doch wie Titel Icarus schon erahnen lässt, geht es darum, dass nach hohem Flug auch ein tiefer Fall folgen kann. So ergeht es leider auch Benny, der einen schweren Rückschlag erleiden musste.330000xxx_Burnett_Lord_FIN.indd

Wer schön öfter mit Benny Griessel ermittelt hat, weiß: Benny ist trockener Alkoholiker. Gerade erst musste er seiner Freundin Alexa helfen, die wieder zur Flasche gegriffen hatte. Nun erwischt ihn aber selbst. Denn nachdem Benny an einen Tatort gerufen wird, an dem er ausgerechnet einen alten Kollegen finden musste, der sich, seine Kinder und seine Frau erschossen hat, steht für Benny die Welt einfach nur noch Kopf. Die einzige Möglichkeit diesem Schmerz zu entrinnen: Alkohol. Denn er betäubt und lässt vergessen. Und dann wird Benny auch noch völlig betrunken in eine Schlägerei verwickelt und landet selbst im Gefängnis. Kann sich unser Held aus diesem Abgrund wieder aufrappeln?

Aber natürlich gehört zu einem Krimi auch ein Mord! Und auch dabei handelt es sich quasi auch um einen „Icarus“. Denn der Tote, der am Strand von Blouberg gefunden wird, ist kein geringerer als Ernst Richter, seines Zeichens Inhaber eines umstrittenen Internetunternehmens mit dem Namen „Alibi“. Richter scheint Millionenschwer zu sein, post auf Facebook nur mit teuren Autor und hübschen Frauen. Sein Unternehmen generiert per Mausklick Alibis für Kunden, die ihre Frauen bzw. Männer betrügen. Der Fall ist natürlich brisant. Das Medien-Echo ist groß, denn kaum ist bekannt, dass Richter tot ist, wird seine Firma gehackt und damit gedroht, eine komplette Kundenliste im Internet zu veröffentlichen. Darunter sind auch zahlreiche Prominente und Politiker. Der Druck auf die Polizei ist unheimlich groß. Und dann auch noch der Totalausfall von Benny Griessel…Das ist die große Chance für Vaughn Cupido, Bennys Partner, der bisher eher die Rolle als Sidekick gespielt hat.

Ich bin ja bekanntermaßen ein großer Fan von Deon Meyer, insbesondere seiner Figur Benny Griessel, und daher fällt es mir schwer, starke Kritik an ihm zu üben. Aber so ganz umhauen konnte Ikarus mich irgendwie nicht. Ich hab mit Benny mitgefiebert, ob er es schafft, vom Alkohol wegzukommen. Und auch die Geschichte um Ernst Richter fand ich spannend. Ich finde es cool, dass Deon Meyer, der ein absoluter Apple-Fan ist, wie er auf einer Lesung erzählt hat, so moderne Themen wie Facebook, Twitter, Tinder etc. aufgreift und damit genau am Puls der Zeit ist. So finden sich in der Handlung auf zahlreiche Twitternachrichten, die von dem Hacker veröffentlicht wurden. Aber was mich an der Geschichte dieses Mal gestört hat, war die Nebenhandlung. Denn neben den Ermittlungen und dem Auf und Ab um Benny gibt es noch einen zweiten Erzählstrang, bei dem der Winzer Francois du Toit seiner Anwältin seine Lebensgeschichte erzählt. Denn auch er ist in denn Fall verwickelt – Wie? Das erfahren wir Leser erst kurz vor Schluss. Und das ist eben auch das Problem – du Toits Nebenhandlung schien mir manchmal fast endlos…

Als ob er seinen kompletten Stammbaum von hinten aufräumt – und mich damit von der eigentlichen Lösung des Falles nur noch weiter wegbringt. Dadurch bliebt für mich beim Lesen leider einiges an Spannung auf der Strecke. Umso mehr habe ich mich nach jedem Kapitel mit dem Winzer wieder über Benny, Vaughn und die weiteren Ermittlungen gefreut. Aber wenn ich Punkte, Sterne, Herzen, Sonnen oder sonst etwas vergeben müsste, wäre es für mich dieses Mal leider nicht die volle Punktzahl. Mein Lieblingsbuch über Benny Griessel ist und bleibt „13 Stunden“. Das ist wirklich ein tolles Buch, wenn man mit Deon Meyer einsteigen will. Und dann ist einem Benny Griessel so sehr ans Herz gewachsen, dass man auch nach einem etwas schwächeren Buch gleich wieder sehnsüchtig auf das nächste wartet.

 

Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar!

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