Delphine de Vigan: Nach einer wahren Geschichte

Vigan

Realität und Fiktion! Wahr oder ausgedacht?

Um genau das Thema geht es in dem Buch „Nach einer wahren Geschichte“. Die Autorin Delphine de Vigan macht sich hier zur Hauptfigur. Sie beschreibt, wie sie nach dem Erfolg eines sehr persönlichen, autobiographischen Romans Probleme hat, das nächste Buch zu schreiben. Anonyme Drohbriefe, wegen dem was sie angeblich ihrer Familie durch die Veröffentlichung des Buches angetan hat, machen ihr die Situation nicht gerade leichter.

Schriftstellerin mit Schreibblockade

Selbstzweifel und Angst lähmen Delphine. Auf einer Party lernt sie dann L. kennen, eine beeindruckende Frau, die beruflich als Ghostwriterin tätig ist. Die beiden Frauen verstehen sich auf Anhieb gut und haben scheinbar den gleichen Geschmack was Filme, Bücher, Essen… einfach alles angeht. Sie verbringen immer mehr Zeit miteinander und führen sehr persönliche Gespräche. L. will Delphine helfen, ihr nächstes Buch zu schreiben und versucht sie immer wieder hartnäckig in die Richtung zu pushen, die sie für richtig hält. Delphine hingegen ist wie gelähmt und kann am Ende nicht mal mehr einen Stift in die Hand nehmen, geschweige denn ihren Laptop anschalten, um auch nur einen Satz zu tippen.

Immer mehr übernimmt deswegen L. das Ruder, schreibt Briefe und E-Mails im Auftrag von Delphine und gibt sich schließlich auf einer Schulveranstaltung sogar als Delphine aus. Eine zeitlang leben sie sehr harmonisch als WG zusammen, da Delphines Kinder ausgezogen sind und mittlerweile zur Uni gehen und ihr Lebensgefährte lieber auf dem Land als in Paris wohnt. Sie hat sich also von Freunden und Familie abgeschottet und niemand macht sich Sorgen um sie, da alle denken, sie arbeite intensiv an ihrem nächsten Buch. So gibt es auch kaum Gelegenheiten, dass L. auf Familie oder Freunde von Delphine treffen könnte. Falls es die gibt, macht sie sich aber meist aus dem Staub.

Kontrollverlust

Delphine merkt langsam, dass L. die Kontrolle über sie hat. Aber sie hat keine große Kraft sich zu wehren und lässt L. gewähren. Erst als sie sich den Fuß bricht und von Delphinge „gepflegt“ wird, schwant ihr langsam Böses. Delphine hat den Plan, L.s Lebensgeschichte aufzuschreiben. Das passt L. natürlich gar nicht und so vergiftet sie Delphine. Delphine flieht aus den Fängen von L.. Im Krankenhaus allerdings wird vermutet, dass Delphine selbst die Menge an Schlaftabletten und Rattengift zu sich genommen hat, denn von L. fehlt jede Spur! Niemand hat sie gesehen oder je mit ihr gesprochen und es gibt keinerleiche Spuren ihrer Existenz!

Das ganze gipfelt damit, dass der Verlag am Ende das Manuskript von Delphines neuem Buch zugeschickt bekommen, aber Delphine beteuert immer wieder, dass sie es nicht geschrieben hat….

Tja, gab es L. also nun wirklich oder hat Delphine eher eine bipolare Störung? Das muss jeder Leser wohl für sich entscheiden. Ich finde, es ist eine meisterhafte Geschichte darüber, ob und wieviel autobiographische Details Autoren in ihre fiktionalen Geschichten einbinden müssen oder auch nicht, damit eine gute Erzählung entsteht. Faszinierend und fesselnd und auch einfach irgendwie verdreht. Die Frage, die im Buch selbst gestellt wird, lautet: Springen wir heute nur noch auf Geschichten an, die angeblich auf wahren Fakten beruhen? Ein Blick auf die ganzen Reality-TV-Shows bezeugt das ja.

2018 kommt der Film

Das Buch wurde von Roman Polanski verfilmt. Der Film lief dieses Jahr bereits in Cannes. Die deutsche Fassung wird aber erst 2018 in die Kinos kommen, voraussichtlich im Mai. Ich bin schon sehr gespannt darauf. Das schreit mal wieder nach einem Buch-Film-Vergleich!

 

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