DBC Pierre: Frühstück mit den Borgias

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Heute möchte ich euch den wirklich kuriosen, neuen Roman von DBC Pierre vorstellen. Pierre ist das Pseudonym des australischen Autors Peter Warren Finlay, der mit seinem Debüt „Jesus von Texas“ viel Aufsehen erregte und 2003 den Booker Prize gewann. Der Autor selbst scheint übrigens auch auf ein sehr aufregendes Leben zurückzublicken. Wenn man googelt, findet man schnell die Auflösung seines merkwürdigen Pseudonyms. Denn DBC Pierre soll angeblich für „Dirty But Clean Peter“ stehen und ein Zeichen für den Lebenswandel des Autors sein. Pierre soll nämlich schon einmal von einem Nachbar angeschossen worden sein, Schulden in Höhe von 100.000 Dollar angehäuft haben und war drogen- und spielsüchtig.

Ganz anders als diese Biografie des Autors, die fast schon an die Story eines Hollywood-Films erinnert, kommt Pierres neuer Roman „Frühstück mit den Borgias“ zunächst daher: Der Protagonist Ariel Panek, 30jähriger Professor aus den USA, der auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz forscht, ist ein Wunderkind, mit klaren, geordneten Gedanken und vernarrt in die moderne Technologie. Als Ariel auf eine Konferenz in Amsterdam reisen muss, verwundert es also nicht, dass sein halbes Gepäck aus Laptop, Smartphone und entsprechendem Zubehör besteht. Ariel freut sich aber viel mehr auf das Stelldichein mit seiner Geliebten und Studentin Zeva, die er in Amsterdam treffen will. Doch dann kommt alles anders.

Wegen eines Unwetters erreicht Ariel Flugzeug sein Ziel nicht, stattdessen landet er in London, im Auto eines zwielichtigen Taxifahrers, der ihn zu einem Hotel außerhalb der Stadt bringt, da angeblich alle Zimmer in London ausgebucht sind. So ganz genau, wie dort wirklich landet, verstehen weder Ariel noch der Leser. Aber gut, man lässt sich darauf ein. Kein Problem, denkt Ariel, im Hotel gibt es sicher WiFi oder eine Telefon, um Zeva zu informieren. Doch weit gefehlt. Nirgendwo gibt es Internet-Empfang, einen Computer, geschweige denn ein Münztelefon, das richtig funktioniert…

Vor Ort lernt Ariel die merkwürdige Familie Border kennen, die ebenfalls in dem Hotel nächtigt. Er hofft, dass eines der Familienmitglieder ihm ein Handy leihen kann. Aber bis Ariel schließlich an das Handy kommt, lernt er die Borders und ihre Macken genauer kennen und diese werden immer skurriler und schrulliger. Dabei ist es Ariels einzige Sorge, wieder Anschluss an die moderne Welt zu bekommen, um Zeva ein Lebenszeichen zu senden und endlich aus diesem verrückten Hotel zu fliehen. Was sich als gar nicht so einfach herausstellt.

„Sollte Leonards Gerät Empfang haben, würde er es als Hotspot nutzen können und sein Leben mit einem Schlag updaten können: Anrufe, SMS, E-Mails, SocialMedia, alles innerhalb von 10 Minuten.“

Mir fällt es gar nicht so einfach, ein richtiges Urteil über Frühstück mit den Borgias zu fällen. Ich habe das Buch geschenkt bekommen und muss zugeben, dass ich es mir sonst sicherlich nicht ausgesucht hätte. Ich hatte auch einige Probleme so recht in die Geschichte hereinzukommen. Zwar hat das Büchlein hat nur knapp 200 Seiten, aber die erste Hälfte zog sich für mich ziemlich und die ganzen Borders mit ihren Macken gingen mir ziemlich auf den Keks – was sicherlich auch eine Intention von Pierre war. Viele Kritiker lieben ja die Ironie in dem Buch, aber für mich war es an vielen Stellen einfach nervig. Ich habe auch nicht ganz verstanden, was das Buch denn nun eigentlich sein will: Krimi? Gesellschaftskritisch? Wissenschaftsroman? Oder doch Gruselroman?

Denn nach der Hälfte driftet die Handlung immer mehr ins gruselig-metaphysische ab. Spannend ist sicherlich der Aspekt, dass wir Menschen uns immer mehr abhängig von unseren elektronischen Helfer machen. Ohne Smartphone, Tablet oder Laptop geht ja heute kaum noch etwas. Und viele laufen nur noch herum wie ferngesteuert, stets mit dem Blick auf einen Bildschirm. Aber irgendwie gerät dieses Thema dann auch wieder in den Hintergrund.

Zugeben muss ich aber, dass das Ende mich dann doch sehr überrascht hat. Dieser „twist in the tail“ kam absolut unerwartet und hat meine Meinung über das Buch definitiv nach oben verbessert. Danach kann ich nun sagen, das Frühstück mit den Borgias eine leichte Lektüre für zwischendurch ist. Und wenn man über den etwas langwierigen Anfang hinaus ist, kommt die Handlung dann doch auch endlich in Fahrt und führt auf ein überraschendes Ende hin. Aber bis dahin ist etwas Durchhaltevermögen gefragt.

Vielen Dank an den Blumenbar Verlag für das Rezensionsexemplar!

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