David Mitchell: Slade House

Slade House Mitchell Buchlingreport

Ein Roman, wie eine Folge von Dr. Who. Irgendwie habe ich beim Lesen des neues Romans von David Mitchell – zumindest in den ersten Kapitel – immer gedacht: Gleich landet die Tardis hier irgendwo und der Doktor wird den Fall schon lösen. Der Spin-off von Mitchell Vorgängerroman Die Knochenuhren greift dabei viele altbekannte Themen und Motive auf, die aber nicht nur für eingefleischte Mitchell Fans toll zu lesen sind. Auch Einsteiger können sich bei diesem nur knapp 250 Seiten dicken Buch in die fantastische Welt des Autors fallen lassen.

Das namensgebende Slade House erscheint nur alle 9 Jahre, am letzten Sonntag des Oktobers. Durch ein kleines Eisentor in der Backsteinmauer der engen Slade Alley schreiten die Besucher in einen wunderschönen Garten, in dem ein prächtiges Herrenhaus steht. Wer die Tür findet und sie öffnen kann ist auserwählt, in diese fabelhafte Welt einzutreten, die immer das zu enthalten scheint, was der Besucher sich am meisten wünscht. Doch die allzu perfekte Welt entpuppt sich schnell als Falle. Spätestens, wenn die Besucher ihr eigenes Portrait am Ende der großen Treppe sehen, wissen sie, das hier etwas ganz faul ist. Denn am Ende des Ganges warten die zwei Seelenfresser-Zwillinge Norah und Jonah Grayer, die ihren Opfern die Seelen stehlen, um unendlich zu leben.

Wer Mitchells andere Romane kennt, bei dem klingeln hier gleich alle Alarmglocken. Klar: Bei Norah und Jonah Grayer handelt es sich um Anachoreten, die Mitchell zum ersten Mal in den Knochenuhren vorgestellt hat. Überhaupt finden sich in dem Text einige Verbindungen zu Mitchells anderen Romanen, aber auch die Parallelen zu den klassischen Schauerromanen und Sci-Fi-Büchern sind ganz deutlich. Besonders in den ersten beiden der insgesamt fünf Kapitel war das Schauerelement für mich am stärksten ausgeprägt. Allein auf meinem Schaukelstuhl im dunkeln sitzend, habe ich die Lektüre dann glatt lieber auf den nächsten Morgen weitergeschoben. Das mich das ganze etwas an die Serie Dr. Who erinnert, wo ja auch oft Weltraumwesen die Seelen der Menschen fressen, ist sicherlich kein Wunder. Mitchell selbst erwähnt in seiner Geschichte u.a. auch die Serie Akte X und die Ghostbusters.

Trotz der Kürze schafft Mitchell es eine unheimlich packende Geschichte zu erzählen. Nach und nach erfahren wir immer mehr über die gruseligen Bewohner des Slade House, ihre Vergangenheit und was sie antreibt. Und bei jedem Besucher hofft man, dass er die Gefahr rechtzeitig durchschaut. Und am Ende der knapp 250 Seiten habe ich mir gewünscht, dass noch einmal so viele da wären und die packende Geschichte irgendwie weitergehen würde. Als absoluter Fan von klassischen Schauerromanen und Gothic Novels bin ich für solche Romane ja immer gerne zu haben! Aber auch für alle Einsteiger in Mitchells Welt, ist Slade House ein toller Start, um auf wenigen Seiten in diese faszinierende Welt hineingezogen zu werden. Ein Buch, dass absolut Spaß macht zu lesen und von dem man sich einfach mehr wünscht!

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