Naomi Wood: Als Hemingway mich liebte

Als Hemingway mich liebte, Naomi WoodBuch, das ich in meiner Frühjahrs-Vorschau vorgestellt habe, habe ich tatsächlich schon geschafft zu lesen. Fazit vorweg: Es war genau das, was ich erwartet hatte! Warum?

Vier Ehefrauen – keine war die richtige?

 

Inhaltlich geht es um die vier Ehefrauen – Hadley, Fife, Martha und Mary – des großen Ernest Hemingway. Der Roman ist chronologisch in vier Teile gegliedert.  In dem jeweiligen Abschnitt über die aktuelle Ehefrau wird dann in der Zeit vor und zurück gesprungen. Es setzt ein mit dem Ende der Ehe und zeigt dann in Rückblenden die glücklicheren Jahre.  Sehr gelungen, denn sonst wäre es etwas zu langweilig aufgebaut. So wird es auch kein kitschiger Liebesroman, denn schließlich erwartet man von Anfang an kein Happy End.

Keine Hemingway-Biographie

Perspektivisch blickt der Leser immer aus dem Blickwinkel der jeweiligen Frau auf die Ehe mit Hemingway. Dadurch werden nur Mutmaßungen über seine innere Gefühlswelt angestellt und er bleibt durchwegs  eine unnahbare, abstrakte Figur. Ein Mann, der dauerbesoffen und launisch ist. Wer mit Gewissheit etwas über ihn erfahren will, sollte lieber eine Hemingway-Biographie lesen.

Die Liebe zum gleichen Mann verbindet

Was der Roman jedoch wunderbar herausstellt, sind die unterschiedlichen Charaktere der vier Ehefrauen. Jede ist anders – trotzdem war keine scheinbar die richtige bzw. konnte ihren Ehemann dauerhaft halten. Während jeder Ehe hatte Hemingway Affären mit anderen Frauen. Dennoch scheint durch, dass Hemingway alle seine Frauen geliebt hat und ihm alle wichtig waren. Und diese Liebe zu diesem einen Mann ist auch das, was die Frauen miteinander verbindet und was sie letztlich so etwas wie Freundinnen werden lässt. Eine interessante Konstellation!

Wären die Figuren im Buch nicht so bekannte Personen, die es wirklich alle gab, wäre die Story mit Sicherheit auch gut – aber ihr würde das gewisse Etwas an Glamour und Flair fehlen. Wer auf große Überraschungen oder einen hochliterarischen Schreibstil hofft, der braucht das Buch nicht lesen. Es ist schlicht geschrieben, sehr unterhaltsam und Gott sei Dank nicht kitschig.

Informatives Nachwort

Natürlich fragt man sich beim Lesen, wie nah der Roman an der Realität ist. Wer das überprüfen oder sich weiter mit den Ehefrauen Hemingsways auseinandersetzen will, dem wird im Nachwort einiges mit an die Hand gegeben. So wird zum Beispiel verwiesen auf:

  • Bernice Kert: The Hemingway Women (Die Frauen Hemingways)
  • Alice H. Sokoloff: Hadley: The First Mrs. Hemingway
  • Ruth A. Hawkins: Unbelievable Happiness and Final Sorrwo: The Hemingway-Pfeiffer Marriage
  • The Selected Letters of Martha Gellhorn (Hemingways 3. Frau)
  • Caroline Moorehead: Martha Gellhorn: A Life
  • Mary Welsh Hemingway: How It Was (Wie es war) (Die einzigen Memoiren einer der Ehefrauen)

Wer noch mehr wissen will, kann sich auch auf die aufwendig gemachte Website zum Buch umsehen: http://naomiwood.com/ Dort werden nochmal die Personen vorgestellt und man findet Fotos (natürlich findet man das auch auf Wiki – aber man kann sich ja auch mal woanders umsehen ;))

Fazit: Ich hatte erwartet, auf eine unterhaltsame Art etwas über Hemingways Ehen und Frauen zu erfahren – und genau das hat mir das Buch gegeben. Da hat sich die Lektüre doch schon gelohnt.
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