Wolfgang Herrendorfer: Tschick

„Als Erstes ist da der Geruch von Blut und Kaffee.“

Obwohl es jetzt schon einige Monate wieder her ist, dass ich Wolfgang Herrendorfers Roman Tschick gelesen habe, habe ich die Geschichte noch sehr gut vor meinen Augen und der Inhalt ist bisher kaum verblasst, wie bei manch anderen Büchern. Es ist aber auch wirklich ein kurioses Erlebnis, dass man mit dem Protagonisten Maik Klingenberg durchlebt. Er geht in der 8.Klasse eines Gymnasiums in Berlin und gehört zu den Außenseitern in der Schule. Kurz vor den Sommerferien wird er, als einer von wenigen, nicht zu der großen Geburtstagsfeier seines Schwarms Tatjana eingeladen und tritt die Sommerferien sehr deprimiert an. Zuhause erwartet ihn keine glücklichere Situation. Die Mutter ist Alkoholikerin und muss, mal wieder, in die Entzugsklinik, der Vater nutzt diese Gelegenheit um mit seiner Sekretärin in Urlaub zu fahren. So bleibt Maik allein in einem riesigen Haus mit Pool.

Zu seinem Glück oder Unglück, das ist die zentrale Frage, gibt es da noch den Mitschüler Andrej Tschichatschow, kurz Tschick, der vor einiger Zeit neu in die Klasse kam und ebenso wenig Freunde hat. Er taucht ziemlich unerwartet bei Maik auf und lässt sich nicht abwimmeln. Als er sieht, dass Maik total enttäuscht ist, weil er nicht zu Tatjanas Geburtstagsparty eingeladen wurde, steht er spontan mit einem geknackten Auto vor Maiks Haus und zwingt ihn, Tatjana wenigstens das selbstgemalte Geschenk zu bringen.

So beginnt der Roadtrip von Maik und Tschick in einem „geliehenen“ alten Lada. Da beide in den Sommerferien nichts zu tun haben, beschließen sie kurzerhand in die Walachei zu fahren und Tschicks Familie zu besuchen. Den Weg kennen sie nicht, ebenso wenig können sie auf der Autobahn fahren. Also fahren sie querfeldein ohne zu wissen wo es lang geht. Es wirkt wie aus einem anderen Zeitalter und ist sehr witzig zu lesen. Maik lernt auf einer Wiese das Autofahren und ist dabei anfangs total panisch. Sie versuchen sich mit Isolierband einen Bart aufzukleben um älter auszusehen. Sie passieren kleine Dörfer und ländliche Sehenswürdigkeiten und erleben eine prächtige Familienurlaubsidylle. Dabei müssen sie aufpassen, nicht aufzufallen. Tagelang gelingt es ihnen glücklich über Land zu gondeln. Doch irgendwann wird ein Polizist auf sie Aufmerksam und die Fahrt verwandelt sich in eine Flucht. Beim Lesen ist einem sofort klar, dass es nicht ewig gut gehen kann, wenn zwei Vierzehnjährige in einem alten, geklauten Auto durch Deutschland fahren. Man stellt sich immer nur die Frage, wie weit sie kommen werden. Tatsächlich habe ich es geografisch nicht verstanden, wo ihre Fahrt genau endet. Aber bis dahin geschehen einige kuriose Dinge, die mich ziemlich zum Schmunzeln gebracht haben. Die Highlights und das Ende möchte ich an dieser Stelle aber nicht vorwegnehmen.

Unterhaltsam ist auch die Art und Weise wie Maik und Tschick miteinander umgehen. Sie kommen aus sehr unterschiedlichen Verhältnissen und kennen sich kaum. Maik bleibt auf dem Roadtrip nichts anderes übrig als Tschick blind vertrauen. Nach und nach er überwindet seine anfängliche Skepsis und der gemeinsam Roadtrip verbündet die beiden so sehr, dass sie sich schließlich ihre Geheimnisse anvertrauen. Ich fand es spannend zu beobachten, wie sich die Freundschaft zwischen den Jungs entwickelt ohne von Gruppenzwang und Gesellschaftstatus beeinflusst zu werden.

Das Buch stand ja lang auf den Bestsellerlisten. Hat es jemand von euch gelesen? Ich finde es lohnt sich. Außerdem ist es ja auch schön dünn. Eigentlich eine perfekt Urlaubslektüre. Also ein guter Tipp für den kommenden Sommerulaub 😉
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4 Kommentare

  1. Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen und mich dabei prächtig unterhalten gefühlt. Viel Sprach- und Situationskomik, dazu eine originelle Story um zwei sympathische Außenseiter. Kein Wunder, dass das Buch zum Bestseller wurde. Wer mehr von Herrendorfer lesen mag, dem lege ich "Sand" ans Herz. Dieser Roman ist noch abgefahrener und schräger, allerdings auch um einiges härter.

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