Marguerite Duras: Der Vize-Konsul

Mit Der Vize-Konsul habe ich wieder zu Duras gegriffen – und diesmal war es für mich keine leichte Lektüre. Wie so oft bei ihr spielt die Handlung in der ehemaligen französischen Kolonie Indien, und auch die geheimnisvolle „Stettner“ (die auch in Lol v. Stein eine Rolle spielt) taucht wieder auf. Doch anstatt eine greifbare Geschichte zu entwickeln, bleibt vieles in Fragmenten, in Gesprächen, in Andeutungen.

Im Zentrum steht der Vize-Konsul von Lahore, der durch einen schockierenden Gewaltausbruch geächtet wurde. Parallel dazu erzählt Duras von einer jungen, schwangeren Frau, die durch die Straßen von Kalkutta irrt. Diese beiden Figuren umkreisen sich in einem Text, der immer wieder bricht, schweift, abtaucht – und dabei eine Atmosphäre von Fremdheit, Schuld und kolonialer Verlorenheit erzeugt.

So sehr ich die Sprache von Duras bewundere – das Flirrende, Fragmentarische, das man auch aus Der Liebhaber kennt – hier war es mir fast zu unnahbar. Ich hatte Mühe, mich in die Figuren hineinzudenken, weil sie wie durch Schleier beschrieben werden. Vieles blieb für mich rätselhaft, manchmal sogar frustrierend.

Ja, Duras’ Bücher haben eine ganz eigene Kraft, aber Der Vize-Konsul hat mich eher auf Distanz gehalten als hineingezogen. Vielleicht ist es ein Roman, den man mehrmals lesen muss, um ihn zu durchdringen – für mich war er beim ersten Mal jedoch mehr Anstrengung als Freude.

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