Mario Vargas Llosa: Die Stadt und die Hunde

Die Stadt und die Hunde spielt an einer Militärakademie in Lima, in der Jugendliche zu Soldaten ausgebildet werden. Der Roman setzt mit einem Diebstahl ein, der innerhalb der Schule große Folgen hat. Aus diesem Vorfall entwickelt sich eine Geschichte über Schuld, Loyalität und Verrat. Mehrere Schüler sind daran beteiligt, direkt oder indirekt, und nach und nach wird sichtbar, wie eng ihre Handlungen miteinander verknüpft sind.

Im Zentrum stehen unterschiedliche Figuren, die sich innerhalb dieses Systems behaupten müssen. Die Akademie ist ein abgeschlossener Raum mit eigenen Regeln. Gewalt gehört zum Alltag, ebenso wie Einschüchterung und Kontrolle. Die Jungen organisieren sich in Gruppen, halten zusammen, wenn es nötig ist, und wenden sich im nächsten Moment gegeneinander. Es geht weniger um Freundschaft als darum, irgendwie seinen Platz zu sichern.

Vargas Llosa erzählt diese Geschichte aus wechselnden Perspektiven und auf unterschiedlichen Zeitebenen. Der Roman springt zwischen Figuren und Momenten, manchmal abrupt, manchmal ohne klare Übergänge. Das macht das Lesen nicht immer einfach. Einzelne Szenen bleiben dadurch zunächst unklar und fügen sich erst später zu einem Gesamtbild. Man muss sich darauf einlassen und ein Stück weit mitgehen, ohne alles sofort einordnen zu können.

Was sehr deutlich wird, ist die Wirkung dieses Systems auf die Jugendlichen. Die Akademie nimmt ihnen Stück für Stück die Möglichkeit, sich als eigenständige Personen zu begreifen. Stärke wird über Härte definiert, Schwäche hat keinen Platz. Entscheidungen werden oft aus Angst getroffen und haben weitreichende Folgen. Würde und Selbstbild geraten ins Wanken, weil es in erster Linie darum geht, nicht unterzugehen.

Zwischendurch öffnet sich der Roman immer wieder nach außen. Szenen in der Stadt oder im familiären Umfeld zeigen, dass hinter den Figuren mehr steht als ihre Rolle innerhalb der Akademie. Diese Momente geben dem Text eine andere Perspektive und machen deutlich, wie stark sich die Lebenswelten unterscheiden.

Ich habe mich beim Lesen etwas schwer getan mit diesem Erstlingswerk von Llosa. Zu viele Figuren. Zu viele Brüche. Irgendwie konnte man dem Geschehen nie wirklich nahe kommen. Und dadurch war der „Schreckensmoment“ oder die Betroffenheit, die dieses Buch erreichen soll, für mich nicht wirklich greifbar.

Facebooktwitterrssinstagram

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert