Iain Banks: Die Wespenfabrik

Eigentlich müsste dieses Buch mit einer deutlichen Triggerwarnung beginnen: Gewalt an Tieren, extreme Gewalt, verstörende Gedanken, psychische Abgründe. Die Wespenfabrik ist kein Roman, den man auf die leichte Schulter nehmen kann.

Im Mittelpunkt steht der 16jährige Frank, der mit seinem Vater auf einer abgelegenen schottischen Insel lebt. Franks Welt ist klein, abgeschlossen und von eigenen Regeln geprägt. Er beschäftigt sich mit Ritualen, mit dem Tod von Tieren, mit selbstgebauten Konstruktionen, die er fast religiös auflädt. Die sogenannte Wespenfabrik ist eines dieser Systeme. Aus Franks Sicht erzählt, wirkt all das zunächst beinahe logisch. Erst nach und nach versteht man, wie verzerrt dieser Blick auf die Welt ist.

Der Roman lebt von Franks innerem Monolog, von seinen Erinnerungen an frühere Gewalttaten und von der angespannten Beziehung zu seinem Vater. Den er offiziell nicht mal Vater nennen darf. Da der Vater die Geburt des Sohnes niemals offiziell gemeldet hat. 

Eine zusätzliche Bedrohung entsteht durch die angekündigte Rückkehr des älteren Bruders auf die Insel. Dieser ist aus der Psychiatrie geflohen, weil auch er Gewaltphantasien an Tieren auslebte. Die Spannung steigt desto näher der Bruder zukommen scheint. Die Atmosphäre ist von Anfang an dicht, unangenehm und kaum auszuhalten. Man liest weiter, obwohl man oft lieber wegschauen würde. Ein bisschen, wie bei einem Unfall.

Iain Banks lässt seine Leser sehr nah an Frank heran. Es gibt kaum Distanz, keine erklärende Stimme, die einordnet oder beruhigt. Gewalt erscheint nicht spektakulär, sondern alltäglich und fast banal. Gerade das macht sie so verstörend. Das Buch spielt mit Erwartungen, mit Identität, mit der Frage, wie sehr Erziehung, Kontrolle und Geheimnisse einen Menschen formen können.

Ich habe Die Wespenfabrik mit großer Irritation gelesen. Es ist eines dieser Bücher, bei denen man sich fragt, warum man weiterliest. Dennoch habe ich durchgehalten. Weil ich immer dachte, am Ende wird alles erklärt und aufgelöst. Aber Der Plot Twist zum Schluss wirkte ebenfalls sehr schräg, sodass ich mich immer noch frage, was ich da eigentlich gelesen habe.

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