Im Mittelpunkt von Colm Tobíns Roman stehen einige Jahre im Leben von Henry James. Als er längst als Schriftsteller etabliert ist, aber innerlich feststeckt. Er reist, arbeitet, zweifelt. Er beobachtet andere Menschen sehr genau, bleibt selbst aber auf Distanz. Beziehungen bleiben angedeutet, Gefühle unausgesprochen. Vieles geschieht zwischen den Zeilen. Gerade das macht die Lektüre so still und konzentriert.
Tóibín interessiert sich weniger für den Mythos des großen Autors als für den Menschen dahinter. Für seine Einsamkeit. Für seine Unsicherheit. Für die Frage, was es bedeutet, alles dem Schreiben unterzuordnen und dabei vielleicht das eigene Leben zu verpassen. Henry James erscheint hier nicht als bewunderungswürdiges Genie, sondern als jemand, der sich selbst ständig kontrolliert, der Nähe meidet und sich in Arbeit rettet.
Der Stil ist zurückgenommen, klar, fast kühl. Dialoge bleiben sparsam. Emotionen werden nicht erklärt, sondern nur angedeutet. Man muss sich beim Lesen Zeit lassen und bereit sein, diese Leerräume auszuhalten. Wer Tempo oder große dramatische Bögen erwartet, wird hier nicht glücklich. Wer sich aber für literarische Selbstbeobachtung und für das leise Ringen eines Künstlers mit sich selbst interessiert, findet viel Stoff zum Nachdenken.
Mich hat das Buch weniger gepackt, muss ich gestehen. Es ist kein Roman, der einen mitreißt. Vieles läuft so neben her. Und leider hat er mich deshalb auch nicht ganz so sehr begeistern können. Weil es sich oft anfühlte, als ob man auf der Stelle tritt beim Lesen.
