Pia Ziefle: Suna

„Niemals schläfst du.“

Pia Ziefles Debütroman ist eine spannende, mitreisende und herzerwärmende Geschichte über eine Familie, deren Wurzeln sich von der Türkei über Jugoslawien bis nach Deutschland miteinander erstrecken. Zu Beginn eröffnet sich die hinreisende Idylle einer frischgebackenen jungen Kleinfamilie, die von Berlin zurück aufs schwäbische Land gezogen ist. Aber Mutter Luisa hat es schwer, weil ihr kleines Baby sie wach hält und nie schläft.

Der Dorfarzt, der dafür keine körperliche Ursache finden kann, blickt in die Augen des Babys und erkennt darin eine alte Seel. Er kommt zu dem Schluss, das Baby habe keine Wurzeln, deshalb könne es nicht schlafen. So erzählt Luisa ihrem Kind die Geschichte ihrer leiblichen Eltern, ihrer Adoptiveltern und ihrer eigenen Kindheit und Jugend. Sie erzählt chronologisch zuerst die Schicksale der Großelterngeneration. Spannend ist, dass sie abwechselnd von den Söhnen eines türkischen Eseltreibers, einem serbischen Bauermädchen, einem armen Mädchen im nördlichen Nachkriegsdeutschland und einem sonderbaren Jungen im Schwabenland erzählt. Es ist leicht zu erraten, dass es sich bei diesen Figuren um Luisas Adoptiveltern und leibliche Eltern handelt. Trotzdem ist man ganz gespannt, wann und wie sich die Wege dieser verschiedenen Personen kreuzen. Schließlich erzählt sie auch, wie es sich ist mit dem Gefühl aufzuwachsen, dass man anders ist als der Rest seiner Familie, dass man nicht dazugehört – wie sie durch Kommentare ihrer Adoptivmutter das Gefühl bekommen hat, nicht Teil der Familie zu sein. Als junge Erwachsene zögert sie, ihre leibliche Mutter ausfindig zu machen und zu kontaktieren. Es bleibt spannend wie Luisa ihre Probleme löst.

Die einzelnen Episoden aus dem Leben bestimmter Figuren werden sehr unterhaltsam geschildert. Anschließend ist es wieder sehr spannend zum großen Ganzen zurückzukehren und, um der Lösung näher zu kommen, wieder an einem neuen Punkt anzusetzen. Warum der Titel des Buches „Suna“ ist, wird erst ganz zum Schluss aufgelöst.

An dem Roman hat mich vor allem beeindruckt, wie liebevoll jede einzelne Figur dargestellt wird. Ein toller Roman zum Schmökern an einem gemütlichen Sonntagnachmittag.

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