Dave Eggers: Der Circle

„WAHNSINN, DACHTE MAE. Ich bin im Himmel.“

Mae Holland ist die Protagonistin in „Der Circle“: ein junge Frau, die nach ihrem Uni-Abschluss zuerst einen schlechten Job in ihrer Heimatstadt annimmt und dann von ihrer Freundin Annie in den Circle geholt wird. Dieses Unternehmen ist für Mae der Himmel auf Erden. Der Circle hat Google, Facebook und Amazon geschluckt und beherrscht mit TruYou die Social Media Welt. Hier können keine anonymen Identitäten mehr im Internet aufgebaut werden, jede Person muss identifizierbar sein. Auf diesen Erfolg baut das Unternehmen auf und strotzt nur so vor Stärke. Das Firmengelände ist ein Campus mit Wohnheimen, Fitness Studios, Ärzten, Supermärkten und täglichen Parties.

Für Mae gibt es nach der Eingewöhnung bald keinen Grund mehr diese Umgebung zu verlassen. Sie stürzt sich mit riesigem Eifer in ihren neuen Job.Anfangs beantwortet sie fast rund um die Uhr Kundenanfragen, mehrere Hundert am Tag.Vor lauter Arbeit begreift sie am Anfang nicht, dass es beim Circle ein Muss ist, auch sozial mit den Kollegen zu interagieren, sich über das Soziale Netzwerk via Zings, Posts und Messages auszutauschen, Gruppen beizutreten etc. Die Aktivität der Mitarbeiter diesbezüglich wird gerankt. Als Mae gerügt wird hier nicht aktiv zu sein, sondern nur an ihre Arbeit zu denken und nichts Privates zu teilen, setzt sie sich auch hier mit Elan ein. Schnell hat sie fünf verschiedene Bildschirme auf ihrem Schreibtisch stehen, mit denen sie verschiedene Dinge beobachtet und bearbeitet. Da wird einem ganz schwindelig.

Von Anfang an beobachtet man als Leser gebannt, wie Mae mit blinder Euphorie in diesen Sog rutscht. Der Circle geht radikal vor und strebt die Vollendung des Kreises an: Alles über das Internet, Soziale Netzwerke und Kameras in Erfahrung bringen zu können, alles Wissen zu teilen… oder mit anderen Worten alles und jeden zu überwachen.

„…Papier ist für mich ein Problem, weil damit jede Kommunikation stirbt. Es hat kein Potenzial zu Kontinuität. Du guckst auf deine Papierbroschüre, und damit hört es auf. Es hört auf mit dir. Als wärst du der einzige Mensch, der zählt. Aber stell dir vor, wie es wäre, wenn du alles dokumentiert hättest.Wenn du ein Tool benutzt hättest, um jeden Vogel, den du siehst, zu identifizieren, dann hätte jeder was davon gehabt…“

Total irre, oder? Es geht so weit, dass Politiker „gläsern“ werden, sich eine Kamera um den Hals hängen und ihr ganzes Leben filmen lassen. Auch Mae macht irgendwann diesen Schritt und wird transparent, wie sich das nennt. Sie lebt nur noch für den Circle und merkt nicht, dass sich ihre Eltern und Freunde von ihr abwenden. Das ist doch traurig. So treib sie schließlich auch ihren Exfreund in den Selbstmord, da er sich einfach nicht überwachen lassen will.Vom Circle wird er einfach als depressiver Soziopath hingestellt, der unfähig ist mit der Gesellschaft zu interagieren. Echt krank. Die Mächtigen hinter dem Circle streben die totale Kontrolle an und sie machen das sehr geschickt: Das Böse tarnt sich als das Gute, als die Rettung aller Menschen und der Schutz der Gesellschaft vor dem Bösen (Mit den Circle-Tools hat kein Krimineller mehr eine Chance, eine Straftag zu begehen).

Diese wahnsinnige Dystopie macht einem beim Lesen wirklich Angst, da sie gar nicht so weit hergeholt ist. Man merkt, welchen Einfluss das Internet und die Vernetzung über das Internet auf einen haben.

Wer sich mit diesem spannenden Thema näher beschäftigen will, sollte „Der Circle“ wirklich lesen. Es ist spannend geschrieben und beinhaltet einige fast philosophische Stellen über die Freiheit und das Recht auf Privatsphäre der Menschen. Oder habt ihr das Buch vielleicht schon gelesen?

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3 Antworten

  1. Mich erinnert das Buch und der Inhalt sehr an ZERO von Marc Elsberg, das ich im Juli gelesen habe. Was einem Angst machen muss, ist, dass das alles gar nicht weit hergeholt ist und wie in ZERO erwähnt, es alle diese technologien schon gibt. Wie weit das bei "Der Circle" ist, weiß ich nicht..
    LG Martina

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