Cheryl Strayed: Wild – Der große Trip

„My solo three-month hike on the Pacific Crest Trail had many beginnings.“
Buch und Film erzählen eine wahre Geschichte! Ich bin zufällig auf den Kinotrailer zum Film „Wild – Der große Trip“ gestoßen und habe dann spontan beschlossen, endlich mal wieder einen Buch-Film-Vergleich zu machen. Das Buch hat bei mir übrigens eine besondere Prämiere gefeiert: Es war das erste Buch, das ich komplett als eBook gelesen habe. Und es hat mir sogar gefallen! Ich fand es cool, dass ich beim Lesen einzelne Sätze markieren konnte, die mir dann alle schön aufgelistet werden. Das macht es jetzt leichter, diesen Post zu schreiben.

Teil 1: Das Buch

Cheryl Strayed hat in diesem Buch ihre dreimonatige Wanderung des Pacific Crest Trail niedergeschrieben. Der Pacific Crest Trail, abgekürzt PCT, ist ein 4.240 Kilometer langer Fernwanderweg im Westen der USA von der mexikanischen bis zur kanadischen Grenze. Cheryl ist in den 90ern einzelne Etappen gewandert – und zwar relativ blauäugig, ohne große Vorbereitung. Dementsprechend abenteuerlich wird auch ihr Trip. Ihr Gepäck ist eigentlich viel zu schwer, sie kann ihren Rucksack mit der ganzen Ausrüstung kaum tragen und scheuert sich dabei wund. Ihre Wanderschuhe hat sie eine Nummer zu klein gekauft, so dass ihre Füße schnell ziemlich geschädigt sind und sogar die Zehennägel abfallen. Für ihren Gaskocher hat sie die falsche Füllung gekauft und kann daher auf der ersten Etappe nur kalten Brei essen.

Die Frage ist jedoch, warum tut sich die 26-Jährige das an? Aus welchem Motiv bricht Cheryl zu diesem Trip auf. Was in Cheryls Leben vor dieser Wanderung alles geschah, wird immer wieder Stückchenweise in die Erzählung eingeflochten. Rund vier Jahre vor dem Trip ist Cheryls Mutter mit 45 Jahren an Krebs gestorben. Danach ist Cheryls Leben aus der Bahn geraten. Sie hat kaum mehr Kontakt zu ihrem Stiefvater und ihren Geschwistern. Sie betrügt ihren Ehemann Paul wahllos mit jedem Kerl, der ihr über den Weg läuft und nimmt am Ende Drogen. Nach der Scheidung von Paul sucht sie einen Neuanfang und beschließt daher, diese Reise zu machen.

Weil sie meistens alleine unterwegs ist, muss Cheryl lernen mit sich alleine klar zu kommen und ihre Ängste zu besiegen, denn es ist schon ziemlich gruselig nachts in einem Zelt alleine in den Bergen zu campen. Aber nur so kann sie wieder zu sich selbst finden und den Verlust ihrer Mutter verarbeiten. Die Natur um sie herum, lässt sie oft den Geist ihrer Mutter spüren. Zum Beispiel wenn sie an Pflanzen vorbeikommt, die auch im heimischen Garten wuchsen und von der Mutter gepflegt wurden.

Die Mischung aus Episoden aus der Vergangenheit und aktuellen Erlebnissen und Begegnungen auf der Wanderung bilden eine abwechslungsreiche Lektüre. Je weiter Cheryl läuft, um so mehr erfährt man nach und nach über sie. Das fand ich eine tolle, parallele Entwicklung.
Teil 2: der Film

Nachdem ich Cheryls sehr emotionale und persönliche Geschichte gelesen hatte, war ich auf die Umsetzung im Film echt gespannt. Cheryl wird darin von Reese Witherspoon gespielt, die ich sehr mag. Ich fand die Besetzung klasse. Sie spielt super, ohne Hollywoodkitsch und Allüren. Da Cheryl oft alleine ist, sind diese Szenen filmisch natürlich nicht einfach umzusetzten. Aber ist es sehr gut gemacht, wie ihre Gedanken, Ängste und Einsamkeit dargestellt wurden, wenn sie alleine in den Bergen ist. Wie sie Angst hat, wenn sie fremden Männern begegnet, die sie schief anschauen. Die Kernszene im Film ist, als ihr ein Wanderschuhe dann Abhang runterfällt und sie vor lauter Wut schreiend den zweiten hinterherwirft. Dieser Schrei wirkt wie ein Befreiungsschlag, sie lässt alle Gefühle raus. Daher wird die Szene auch am Anfang des Films schon gezeigt und später noch einmal wiederholt. Als ich das Buch gelesen habe, fand ich diese Szene jedoch nicht so herausragend, ich habe sie nicht als so zentral wahrgenommen.

Der Film bringt eben die wichtigsten Szenen auf den Punkt. Gestört hat mich jedoch ein bisschen, dass einige Figuren im Film fehlten. Zum Beispiel kommt Eddi, Cheryls Stiefvater, nicht vor. Dabei ist Cheryl ziemlich traurig darüber, dass nach dem Tod ihrer Mutter der Kontakt zu Eddi abgebrochen ist. Außerdem trifft sie in den drei Monaten ihrer Wanderung viele andere Wanderer. Teilweise wandern sie zusammen oder treffen sich regelmäßig in Bergcamps wieder. Viele der Personen sind für Cheryl sehr wichtig geworden, denn sie haben ihr geholfen, nicht aufzugeben. Im Film kamen nur sehr wenige Mitwanderer vor und spielten eine wesentlich unwichtigere Rolle, fande ich.
Vergleich
Der Film bringt natürlich super schöne Landschaftsbilder mit. Jedoch, wenn man die Geschichte gelesen hat, wundert man sich doch über die Reihenfolge der Ereignisse während der Wanderung. Die sind im Film oft anders kombiniert und zusammengeschnitten. Ich denke, dass man viel tiefer in Cheryls Geschichte eintauchen kann, wenn man das Buch liest. Der Film ist etwas oberflächlicher.
Die echte Cheryl Strayed, 1995
Reese Witherspoon im Film.
Zusatz: Über Bücher in Büchern
Eine Sache möchte ich noch erwähnen. Cheryl lässt sich nicht davon abbringen Bücher mit auf die Wanderung zu nehmen, die ihr Gepäck noch schwerer machen. Lesen ist ihr wichtig und gibt ihr Halt. Daher werden viele Bücher in der Geschichte angesprochen. Besonders toll fand ich, dass am Ende eine Liste der vorkommenden Bücher im Buch steht. Darunter sind: As I Lay Dying, William Faulkner, The Complete Stories, Flannery O’Connor, The Novel, James Michener, Lolita, Vladimir Nabokov, Dubliners, James Joyce, Waiting for the Barbarians, J.M. Coetzee. Eine bunte Mischung an Klassikern. Mir ist dabei eingefallen, dass ich vor Jahren auch mal ein Buch von James Michener gelesen habe, das ich echt toll fand. Das muss ich hier demnächst unbedingt mal vorstellen.
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6 Antworten

  1. Hallo,

    ich bin gerade über Readpack.de auf Deinen Blog und diesen Ebitrag gestoßen. Bislang war ich mir noch unsicher, ob ich das Buch lesen soll. Aber nach Deinen tollen Schilderungen denke ich, es wird auf die Wunschliste wandern.
    Gerade habe ich mir "America for sale" gekauft. Da geht es ja auch um einen wahren Americatrip zu Fuß. Vielleicht mache ich aus diesem Thema sogar eine kleine Serie auf meinem Blog.

    Alles Liebe.
    Kerstin

  2. Huhu! 🙂

    Vielen Dank für die tolle Review!! Ich überlege schon die ganze Zeit ins Kino zu gehen, aber da ich das Buch dann doch noch vorher lesen wollte ist daraus noch nichts geworden. Ein Glück, denn dene Beschreibungen machen mir das Buch wirklich immer schmackhafter. 🙂

    Liebste Grüße
    Nina ♥♥♥

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