Teil 1: Pascal Mercier’s „Nachtzug nach Lissabon“

„Der Tag, nach dem im Leben von Raimund Gregorius nichts mehr sein sollte wie zuvor, begann wie zahllose andere Tage.“
Tja, wie beschreibt man diesen Roman? Er ist tiefgründig und grüblerisch, ein wenig 162_73436_150289_xlschwermütig und melancholisch. Also keine leichte Kost zum Lesen. Man sollte schon bei der Sache sein und die Worte mit Konzentration lesen, nicht so wie ich manchmal 😉

Worum geht es? Um vieles, vor allem viele Schicksale. Der Gymnasiallehrer für alte Sprachen, Raimund Gregorius, verlässt mitten in seinem eigenen Unterricht die Klasse und bricht nach Lissabon auf. Grund dafür ist, dass er auf das Buch „Ein Goldschmied der Worte“ eines Lissaboner Arztes und Philosophen gestoßen ist und nun dessen Spuren verfolgen will.

In Lissabon angekommen tritt er dann mit Familienangehörigen, Freunden und Bekannten des Arztes Amadeu de Almeida Prado in Kontakt und erfährt, dass dieser schon vor Jahren gestorben ist. In vielen Gespräche und Briefen, die ihm Prados Schwester gibt, erfährt er nach und nach die Geschichte des Artzes. Dessen Leben geprägt war von Selbstzweifeln, Melancholie und der Suche nach Anerkennung und Glück. Die Liebe des Vaters bekommt er nie zu spüren, daher denkt er, sein Vater würde nur über ihn urteilen. Als Sohn reicher Eltern wird er nach der Schule ein beliebter Arzt, auf den die Eltern stolz sind, es ihm aber nie zeigen können. Prado lebte während der Salazar-Diktatur. So wird auch die Geschichte Portugals in die Handlung eingewoben. Eines Tages ist Prado gezwungen, dem Chef der Geheimpolizei, genannt der Schlächter von Lissabon, das Leben zu retten. Das ist eine der vielen Schlüsselszenen der Geschichte, weil sie Amadeus Leben verändert. Die Leute können ihm das nicht verziehen und meiden ihn. Aus Schuldgefühlen schließt er sich dem Widerstand an. Selbstverständlich gibt es in dem Roman auch eine Liebesgeschichte: die Freundin seines besten Freundes verliebt sich in  ihn. Mehr will ich aber nicht dazu verraten. Die Handlungs ist auf jeden Fall sehr spannend.

Der Roman bringt in vielen verschiedenen Episoden Prados Leben ans Licht. Teilweise geschieht das durch Briefe, die Gregorius liest. Oder durch Gespräche, die er mit anderen Persönen über ihn führt. Dabei erfährt man auch viel über die anderen Charaktere. Das ist sehr spannend, denn es kommen viele Figuren mit einer bewegenden Vergangenheit vor. Interessant ist auch die Entwicklung, die Gregorius durchmacht, während er auf Prados Spuren wandelt. Er hält sich für einen Langweiler und wird durch Prados Geschichte angeregt über sei eigenes Leben nachzudenken und Parallelen zu ziehen. Prado starb an einem Aneurysma. Gregorius plagen oft heftige Kopfschmerzen und Schwindel. Er befürchtet daher, dass etwas mit ihm nicht stimmt und hat Angst zum Arzt zu gehen. Am Ende geht er schließlich in eine Klinik. Jedoch endet dann das Buch und man weiß nicht, ob er schwerkrank ist oder nicht. Das Ende lässt viel Freiraum für eigene Interpretationen. Einerseits mag ich solche offenen Ende, andererseits machen sie mich auch rasend, weil ich wissen will, es ausgeht.
Eins noch: Das Geschichte lebt von der Liebe zur Sprache und Philosophie. Es gibt viele poetische und philosophischen Stellen, meistens sind das Briefe von Prado. Da ich sehr neugierig war, wie eine Geschichte, in der Worte und Gedanken eine so zentrale Rolle spielen, verfilmt werden soll, musste ich natürlich den Kinofilm sehen. Wir ich ihn fand, steht in Teil 2….
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