Lesung von Salman Rushdie

Hallo ihr Lieben,

ich war gestern mal wieder bei einer unheimlich spannenden Lesung! Irgendwie kommt es mir so vor, als ob in Berlin gerade ein Lese-Highlight das nächste sucht. Ich konnte auf jeden Fall in diesem Jahr eine Menge meiner Lieblingsautoren live und in Farbe erleben. Auch gestern war wieder so ein Abend. Da gab sich Sir Salman Rushdie zum Abschluss des internationalen Literaturfestivals die Ehre. Ich glaube, ich hätte geweint, wenn ich da nicht hätte dabei sein können. 😉 Und so ging es scheinbar auch noch vielen anderen Leuten, denn die Reihen im Theatersaal waren rappelvoll!

Wer Rushdie noch nicht kennen sollte, kann bei unserem Lesetipp zu seinem Bestseller „Die satanischen Verse“nachlesen. Den findet ihr hier: Klick! Dort findet ihr auch ein wenig Hintergrundinformationen zu Rushdies bewegendem Leben. Denn für dieses Buch wurde von iranischen Kohmeinis eine Todesstrafe über Rushdie verhängt. Bei so einem spannenden Leben des Autors ist es kein Wunder, dass die Lesung mit einer kurzen Zusammenfassung dessen anfing.
Und dann war es endlich soweit: Salman Rushdie betrat die Bühne. Sofort ging das Blitzlichtgewitter der Fotografen los, das Rushdie ganz artig über sich ergehen ließ. Fast schien es so, als ob es ihm ein bisschen unangenehm ist, dass so ein Aufriss um ihn gemacht wird. Danach ging es natürlich als erstes um Rushdies neues Buch: „Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte“. Darin kreiert der indische Autor eine fiktive Märchenwelt voller Dschinns, die die Menschen heimsuchen.
Da ich das Buch noch nicht gelesen haben ( ich warte lieber auf das Taschenbuch ), halte ich mich hier an die Inhaltsangabe vom Verlag: Dunia, die Fürstin des Lichts, verliebt sich in den Philosophen Ibn Rush und zeugt mit ihm viele Kinder, die in die Welt hinaus ziehen. Ibn Rush gilt als Gottesfeind, sein Gegenspieler ist der tiefgläubige islamische Philosoph Ghazali. Die Geister der beiden geraten in Streit. Der Kampf des Glaubens gegen die Vernunft beginnt und entfacht einen so furchtbaren Sturm, dass sich im Weltall ein Spalt öffnet, durch den die zerstörerischen Dschinn zu uns kommen. Die Existenz der Welt steht auf dem Spiel. Dunia entschließt sich, den Menschen zu helfen.

Vor dem Lesen erzählte Rushdie noch ein bisschen darüber, wie er auf die Idee zu dem Buch kam. Denn dafür, dass er sonst als großer Rationalist gilt, ist dieses Buch völliger anders, eine verrückte Geschichte voller verrückter Begebenheiten. Die Erklärung war für den Autor ganz einfach. Sein letztes Buch – seine Autobiografie mit dem Titel „Joseph Anton“ – war ein sehr reales Buch, mit dem er sich eine große Last vom Herzen geschrieben hat und eine Art von Abschluss zu dem Teil seines Lebens rund um das Todesurteil. Deshalb wollte er nun etwas völlig anderes kreieren, etwas Fantastisches, eine völlig verrückte Welt. So schuf er eine Welt voller Dschinns, die die Menschen heimsuchen,

Aber bei einem Autor wie Rushdie bleibt es natürlich auch nicht aus, über die aktuellen (politischen) Ereignisse zu sprechen. Denn erstaunlicher Weise hat sein aktuelles Buch wohl einige Parallelen zu den Anschlägen auf Paris – und das, obwohl Rushdie seinen Roman Anfang des Jahres vollendete. Er selbst sagte, dass er völlig erstaunt sei, wie seine Fiktion auf einmal ein Stück Wirklichkeit geworden ist. Denn auch darin geht es um den Kampf zwischen Vernunft und Glauben. Und damals kannte man den Begriff „ISIS“ noch gar nicht.

Wobei die Attentate, laut Rushdie, nichts mit Religion und dem Koran zu tun haben. Für ihn ist es ein Krieg gegen das Vergnügen und den Lebensgenuss. Denn auf einmal ist es schon genug etwas ganz Normales zu tun – wie zum Beispiel in einem Restaurant essen zu gehen oder bei einem Konzert Musik zu hören – um getötet zu werden. Rushdie fühlt sich dabei sehr erinnert an ein Zitat von H.L. Mencken. Das lautet: „Puritanism. The haunting fear that someone, somewhere, might be happy.“ Und deshalb ist Freude und Lebensfreude für ihn die beste Lösung, um den Terror zu bekämpfen. Genau so, wie es die Pariser tun und wieder auf die Straßen gehen.

Außerdem berichtete Rushdie davon, wie seine Mutter auf die ihm auferlegte Fatwa reagierte. Sie schrieb ihm Briefe, in denen sie sagte, dass sie zu Allah für ihn beten würde. Aber Rushdie antwortet ihr flapsig: „Please, don’t. It’s the wrong team!“ Er glaubt zudem an die Theorie, dass die Menschen die Religion überwinden werden, wegen den religiösen Gläubigen. Denn sie sind die schlechtesten Botschafter, die eine Religion haben kann – ganz so wie bei den ganzen religiösen Fanatiker, die sich z.B. im Namen Allahs umbringen und andere dabei mitreißen.

Gelesen wurde der deutsche Text übrigens von Tom Wlaschiha, der aus Game of Thrones berühmte Schauspieler. Und selbst Salman Rushdie war wohl sehr aufgeregt, weil er ein großer Fan der Serie ist. Mich hat die Diskussion um das Buch auf jeden Fall sehr neugierig gemacht und es ist nun definitiv ganz weit oben auf der Wunschliste! Außerdem fand ich es sehr beeindruckend, wie eindrucksvoll Rushdie über ernste Themen reden kann und trotzdem humorvolle Phrasen mit einbringt. Eine sehr beeindruckende Persönlichkeit!

Cat

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