Kate Morton: The Secret Keeper / Die verlorenen Spuren

Secretkeeper BuchlingreportDer Mai macht alles neu! – Und deshalb gibt es hier gleich das neue Leseexperiment für den Wonnemonat. Als erstes wie imme, die Aufgabe: Lies das 21. Buch aus dem Regal eines Freundes / einer Freundin. Er / Sie soll an einer zufälligen Stelle anfangen zu zählen. Da das Bücherregal von Madeleine leider 580 km entfernt liegt, habe ich eine liebe Freundin in der näheren Umgebung gefragt, ihre Buchschätze abzuzählen. Herausgekommen ist Kate Mortons The Secret Keeper (auf Deutsch: Die verlorenen Spuren), was mich wirklich gefreut hat! Schon vor ein paar Jahren hatte ich von eben dieser Freundin mein erstes Kate Morton Buch geschenkt bekommen und seitdem aber nicht mehr dazu gekommen, ein weiteres zu lesen. So war das Leseexperiment eine schöne Möglichkeit, das endlich einmal nachzuholen.
“Rural England, a farmhouse in the middle of nowhere, a summer’s day at the start of the nineteen sixties.”

An einem Sommertag in den 1960iger Jahren versteckt sich die junge Laurel Nicolson in ihrem Baumhaus, um in Ruhe an ihren Schwarm Billy zu denken, mit dem sie gern nach London durchbrennen würde. Von ihrem Versteck wird Laurel jedoch Zeuge davon, wie ein Fremder sich ihrer Mutter Dorothy (genannt Dolly) nähert, diese vertraut anspricht – und schließlich von der Mutter erstochen wird! Ein Schock für Laurel! Wird sie durch dieses Ereignis doch ganz plötzlich aus ihrer Bilderbuchkindheit gerissen!

50 Jahre später liegt Laurels Mutter im Sterben und alle Erinnerungen an diesen fatalen Sommertag kommen in Laurel wieder hoch. Und so fängt sie an die Geschehnisse aufzuarbeiten und die Geheimnisse aus der Jugend ihrer Mutter herauszufinden. Dabei recherchiert Laurel das Leben ihrer Mutter zu Beginn des zweiten Weltkriegs und stößt auf eine verzwickte Dreiecks-Beziehung zwischen Dolly, ihrer Jugendliebe Jimmy und der befreundeten, reichen Nachbarin Vivien.

Kate Morton verknüpft gekonnt die drei Handlungsstränge zwischen 1930, 1960 und 2011 und wir lernen Dolly und Laurel immer besser kennen. Ich muss aber gestehen: Selten habe ich einen Buchcharakter so wenig gemocht wie Dolly. Immer wenn sie in der Handlung auftauchte, musste ich wirklich an mich halten. Sie wirkte auf mich zu eingebildet, zu arrogant, selbstüberzeugt, egoistisch, manipulativ… ich könnte die Liste noch ewig weiterführen. Sie spielt mit den Menschen, nutzt sie nur aus! So konnte ich wirklich partout nichts liebenswürdiges in ihr finden und auch nicht mit ihr mitfiebern oder gar Mitleid mit ihr haben.

Außerdem hat mich die Handlung – um ganz ehrlich zu sein – nicht wirklich gepackt. Stellenweise war sie zäh wie Kaugummi. Und dann habe ich mir immer gesagt: Ganz ehrlich, wenn Laurel eigentlich in so einer Bilderbuchfamilie aufgewachsen ist, wieso hat sie dann nie mit ihrer Mutter über die Geschehnisse gesprochen? Wenn ich Zeuge von einem potenziellen Mord wäre, den meine Mutter begangen hat, dann würde ich das doch nicht einfach Jahrzehnte lang totschweigen. Und erst, wenn meine Mutter dann fast tot ist, da kommt natürlich gaaanz “plötzlich” alles wieder in mir hoch… nein, dass war mir dann doch etwas zu weit hergeholt.

Das Ende hat mich allerdings doch sehr überrascht und deshalb bekommt das Buch auf jeden Fall noch einen Pluspunkt. Man hat ja bei solchen Familiengeheimnisgeschichten immer irgendeine Vermutung, was passiert sein könnte. Und viele Sachen waren auch wirklich sehr vorhersehbar. Aber der “Twist in the Tail” war dann doch sehr krass. Ansonsten fand ich aber “Der verborgene Garten”, das ich als erstes von Kate Morton gelesen habe, viel stärker und würde jedem empfehlen damit anzufangen!
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