Eine Lesung, die unter die Haut geht

Krimis und Thriller müssen spannend sein! Sie müssen uns packen, fessel und ab und an auch mal das Blut in den Adern gefrieren lassen. Lesungen hingegen sind auch öfter  mal etwas trockener. Der Funke springt nicht unbedingt immer gleich über, die Atmosphäre stimmt nicht oder man ist noch nicht so richtig auf die Story eingestellt. Zu einer Buch-Premiere der ganz anderen Art hatte dagegen Vincent Kliesch eingeladen. Im Berlin Dungeon präsentierte der Berliner Autor gestern Abend den zweiten Teil seiner Krimi-Reihe um Kommissar Severin Boesherz mit dem Titel „Im Augenblick des Todes“ – und brauchte uns Gäste dabei mächtig zum Gruseln! Denn vor der eigentlichen Lesung gab es für die knapp 30 geladenen Zuhörer eine exklusive Führung durch den Kerker von Berlin.


Eine ganze Stunde lang führte uns die Tour durch die dunkelsten Orte der Geschichte Berlins mitsamt
ihren gruseligen Bewohnern. Angefangen von der Totengräberin, die uns begrüßte und dann gleich in einen abstürzenden Fahrstuhl schickte, über Folterkammern und Katakomben bis hin zum Heim eines Serienmörders: alles was uns die Haare im Nacken aufstellen konnte, war dabei. Mit Schauspielern, Special Effects und immer wieder ausfallendem Licht wurde wirklich alles aufgefahren, um uns zum Fürchten zu bringen. Und natürlich wurde auch für Vincent Kliesch keine Ausnahme gemacht! Denn einfach nur durchlaufen und Erschrecken lassen war nicht das einzige. Nein, wir wurden auch selbst Teil der Geschichten. So musste Vincent sich zum Beispiel vor dem verrückten Richter im Geheimen Gerichtssaal der Hohenzollern verantworten. Seine Anklage: Fashion Killer! Aber trotz seiner Ausreden wurde Vincent nicht verschont, sondern verurteilt und vom Publikum für seine Tat ausgebuht. – Ein bisschen Spaß muss ja schließlich vor lauter Horror auch mit dabei sein. Ich höre dafür immer noch das Lied in meinem Kopf, das mir zugeschustert wurde. Das hatte den wunderbaren Text: „Wenn wir sterben ist Britta Schuld!“ Schließlich sollte ich unsere Mannschaft mit einem Floß heil über die Spree bringen und somit vor der Pest retten. Eine Mission, die natürlich kläglich zum Scheitern verurteilt war. 😉Zum Glück haben wir es am Schluss dann doch noch heil aus den Kerkerräumen geschafft und konnten uns erst einmal bei einem Drink kurz von den Schrecken erholen. Schon dabei wandelten wir auf den Spuren von Vincents Büchern, denn wir durften den tollen Wein vom Weingut Allendorf testen, den der Protagonist aus den Krimis so gerne trinkt. Danach ging es gleich wieder in das Verlies – genauer gesagt in die Kammer des Pestarzt-Assistenten. Dort las Vincent Kliesch endlich aus seinem neuen Krimi: Darin muss der Ermittler Severin Boesherz seinen zweiten Fall lösen, der mit dem Fund der Leiche eines Arztes beginnt. Dieser wurde bestialisch zugerichtet und zerstückelt. Die Spuren scheinen des Falles scheinen dabei in Boesherz‘ eigene Vergangenheit zu führen und zu einem Täter, den er nie schnappen konnte. Und der Prolog, den Vincent Kliesch vortrug, lässt auch schon erahnen, dass diese Ermittlungen für Boesherz nicht unbedingt gut verlaufen werden…

Zu viel durfte natürlich nicht verraten werden. Aber nach der Beschreibung des toten Arztes im Buch, war schon einmal klar, warum die Kammer des Pestarztes als Ort für die Buchpräsentation ausgewählt wurde. Und dann erzählte Vincent Kliesch noch, dass auch Severin Boesherz im Laufes des Buchs den Dungeon besucht und sich beim Anblick der Kammer denkt: „Ich würde doch gerne mal wieder einen Arzt sehen, der nicht tot ist.“ Nach der kurzweiligen Lesung wurde das schaurig-schöne Event noch bei ein, zwei Gläsern des guten Allendorf-Weins beschlossen und Vincent Kliesch stand seinen Zuhörer geduldig Rede und Antwort auf alle Fragen. Jetzt muss sein Krimi nur noch so spannend wie der ganze Abend sein! 🙂

Vielen Dank noch einmal an Vincent Kliesch und den Blanvalet Verlag für den tollen Abend!

 

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5 Antworten

  1. Hallo Ascari,

    die Lesung war wirklich super. Und auch die Stimmung davor. Dadurch, dass wir nur so eine kleine Gruppe waren, hat man irgendwie ein bisschen Zusammenhalt gefunden beim gemeinsamen Gruseln. Und ich fand es echt toll, dass Vincent Kliesch die ganze Zeit mit dabei war und mit uns "gelitten" hat. Eintritt hat das ganze nicht gekostet – zumindest nicht für die geladenen Gäste, die die Tour mitgemacht haben. Ich wurde vom Verlag eingeladen. Ob die Lesung für Leute, die nachgekommen sind, etwas gekostet hat, kann ich dir leider nicht sagen.

    VG Cat

  2. Hey 🙂

    Ich versuch gerade mir das vorzustellen, wie die Lesung gewesen sein muss … Auf jeden Fall eine gute Idee, mal einen ausgefalleneren Ort als ein Kino, einen Vortragssaal oder ähnliches auszusuchen! Man findet sicher wesentlich schneller in die Geschichte hinein, könnte ich mir vorstellen. Hat die Lesung eigentlich Eintritt gekostet oder hab ich das jetzt überlesen?

    Liebe Grüße
    Ascari vom Leseratz Blog

  3. Hey,
    danke für dein Kommentar zu der Rezension von "Die Geisha". Über den Film habe ich auch schon viel gelesen. Die Bilder sollen wirklich toll sein. Ich werde ihn mir auf jeden Fall irgendwann anschauen.

    Der Einblick in die Lesung von Vincent Kliesch hört sich ja wirklich unglaublich spannend an! Da haben sich der Verlag und der Autor auf jeden Fall mal was Besonderes einfallen lassen.

    Liebe Grüße
    Charly

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